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WIE
SIEHT EIN EUROPÄISCHER WEG AUS?
Meine langjährige,
praktische Berufserfahrung und meine nützlichen Irrtümer
haben dazu geführt, dass ich eine Vision von einer neuen
Form einer alten Heilkunst entwickelt habe.
Es
ist möglich, alte europäisch schamanische Wurzeln für ein
modernes Alltagsleben wieder zu beleben. Das ist ein tastender
Prozess bei dem uns zunächst traditionelle Heiler anderer
Kulturen helfen können. Die Grundstrukturen schamanischer
Heilkunde sind sich überall auf der Welt ähnlich. Dann steht vor
uns die Aufgabe dieses Wissen für unsere Bedingungen so zu übertragen,
dass das Wesentliche der Inhalte erhalten bleibt. Die Form ist
sicherlich flexibel.
Wo
gibt es bei uns Probleme?
Wir haben keine
Gemeinschaften, in denen sich ein Individuum geborgen und
verstanden fühlt. Das ist jedoch eine Grundvoraussetzung
schamanischer Heilkunde. Sie fehlt hier und das ist nicht durch
Therapeuten ersetzbar.Wir haben im
Untergrund zwar Traditionen von wenigen Geistheilern, diese sind
jedoch oft ausschließlich christlich orientiert. (Das schränkt
den Kreis der Klienten oft ein.)Wir haben keine
lebendigen schamanischen Traditionen mehr. Auch das Keltentum hat
uns nur Musik, Märchen, Reliefbilder und Jahresfeste
hinterlassen. Es gibt keinen lebendigen oder klar
rekonstruierbaren keltischen Schamanismus.Wir haben uns
verlaufen in einem Dickicht aus vulgärer Individualpsychologie,
schnelllebiger Synthetikmedizin und verwirrten Formen von
esoterischem good-will.
Viele Menschen in
Europa haben keinerlei spirituelle Anbindung. Die Ersatzreligionen
von Emotionskult oder des wissenschaftlichen Nihilismus sind kein
Äquivalent dafür.
Das
sind schwierige Voraussetzungen für die Übertragung von
Traditionen, die aus spirituell gefestigten Stammeskulturen
stammen.
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Wo
liegen bei uns Gefahren?
Wer meint, die
traditionellen, schamanischen Methoden vereinfacht direkt in einen
völlig anderen, modernen Kontext
übernehmen zu können, wird zwangläufig bei einem
romantisierenden, psychologisch geprägten Plastikschamanismus
landen. Es ist sicher mehr erforderlich als der gute Wille und
etwas Trommeln!Wir imitieren
symbolische Handlungen und nennen sie "Ritual". Ohne die
Gewinnung der geistigen Helfer für unser Anliegen, ist es jedoch
kein schamanisches Ritual. Aber wer weiß, wie das geht? Das ist
bei uns meist von untergeordneter Bedeutung. Wir imitieren Exotik.Viele Menschen in
Europa neigen zu einer schwärmerischen Sicht der "edlen
Wilden".Das kann zur
unkritischen Adaption vermeintlich schamanischer Traditionen führen.
Der Reiz des Exotischen kann so stark sein, dass wir darüber
vergessen, dass wir eigene Wurzeln brauchen.Voller naiver Überheblichkeit
glauben wir, uns mit einigen work-shops an die schamanische
Heilarbeit machen zu können. Aber wozu brauchen traditionelle
Heiler und Heilerinnen eine oft jahrelange Ausbildungszeit?Lernen von den
letzten traditionellen Schamanen und Schamaninnen heißt auch, die
Inhalte zu studieren und sich an die Arbeit zu machen, die
Ergebnisse hier bei uns neu zum Leben zu erwecken.
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Was
sind unsere Aufgaben?
Wir haben viele
Gründe, uns traditionelle Lehrerinnen und Lehrer zu suchen. Sie können
uns helfen, uns auf das Wesentliche zu besinnen, was es hier zu
tun gibt. Unabhängig von der jeweiligen Kultur haben alle
schamanischen Heiler dasselbe zu tun. Sie müssen selbstkritisch
an ihrer Weltanschauung arbeiten.Unsere
Aufgaben sind:
-
Wir haben
eine tiefe Hingabe an alle Dimensionen des Göttlichen zu
entwickeln.
Wir haben
kritisch an unserer Lebensführung zu arbeiten, damit wir uns
reinigen.
Wir haben uns
unseren Zweifeln zu stellen.
Wir haben
tragende Verbindungen zu geistigen Helfern aufzubauen.
Wir haben uns
der heilerischen Arbeit zu widmen
Wir haben zu
lernen, alle Menschen bedingungslos zu lieben.
Wir haben zu
lernen, unsere persönliche "Wichtigkeit" zu
besiegen.
Wir haben zu
lernen, uns von vergangenen Emotionen und Gedanken zu lösen.
Wir haben die
Menschen zu unterstützen, Formen von Gemeinschaft aufzubauen.
Wir haben die
Menschen zu unterstützen, ihre kulturelle Verwahrlosung zu
.erkennen.
Wir haben die
Menschen zu unterstützen, ihre spirituellen Wurzeln zu
finden.
-
Wir haben
Netzwerke spiritueller Heilarbeit zu schaffen und in der Öffentlichkeit
zu repräsentieren.
Diese Aufgaben in
modernen europäischen Ländern wahrzunehmen, ist eine große
Aufgabe. Sie unterscheidet sich vom Leben in traditionellen
Gesellschaften grundlegend, auch
wenn dort die Bedingungen den unseren immer ähnlicher werden.Das ist
schamanische Heilkunde und nur in diesem Zusammenhang sind die
schamanischen Techniken von irgendeinem Nutzen.
Auf
diese Weise können wir die ersten Schritte auf dem Gebiet einer
neuen und alten, europäischen Form einer schamanischen Heilkunde
wagen.
Wie sieht ein europäischer Weg praktisch aus:
Alle Interessierten könnten sich kooperativ mit folgenden Themen befassen und ihre Ergebnisse austauschen, dokumentieren.
Zur Erforschung gehört:
- Sichtung der anthropologischen Fachliteratur
- Befragung von Menschen die aktive Erfahrungen haben
- Übersetzung in den heutigen Alltag hinein in Verbindung mit neuen Erkenntnissen
- Dokumentation der Ergebnisse in Wort, Bild und Ton
Fragestellungen können sein:
- Welche Hinweise auf schamanische Reste gibt es in europäischen Märchen und Sagen?
- Merseburger Zaubersprüche und die Kunst des Besprechens in der heutigen Praxis
- Schwarze Madonnen als dunkle Seele Europas
- Heilige Quellen in Europa
- Weltenbaum und heiliger Hain
- magisches Kräuterwissen Europas
- Amulett und Votivgabe in der europäischen Tradition
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen brauchen keinem wissenschaftlichen Anspruch zu genügen. Sie sind aus diesem Blickwinkel bewusst „laienhaft“ gehalten.
Spiritualität als komplexes Phänomen, ist niemals wissenschaftlich erfassbar.
Ein
Wort über Entheogene Pflanzen
Einige
traditionelle Schamanen und Schamaninnen benutzen bewusstseinsverändernde (entheogene) Pflanzen, andere tun das nicht. Dazu
ist zu sagen, dass die, die es tun, dafür
einen strengen rituellen Rahmen haben. Es hat nichts mit ihren
persönlichen Interessen zu tun. Die, die es nicht tun, sagen, es
ist für den Erfolg nicht notwendig. Die Ergebnisse geben ihnen
recht.Für uns
Europäer ist die Gefahr groß, dass wir ein "Eilzugticket"
kaufen wollen, wenn wir
entheogene Pflanzen als spannenden Kick benutzen wollen. Das
bedeutet, wir wollen uns um die geduldige, bewusstseinverändernde
Arbeit an uns selbst, die dringend notwendig ist, drücken.Wir sind
es gewohnt, Substanzen auf Knopfdruck zu benutzen. Wir sind gefährdet,
in Abhängigkeiten zu rutschen, die absolut nichts mit
schamanischer Heilarbeit zu tun haben. Wir haben keine rituellen
Regeln im Umgang mit
bewusstseinsverändernden Medizinpflanzen und keine gesellschaftlichen
Kontrollen. Nichts ist leichter als sich allein und ahnungslos
in einer Welt von Süchten zu verlaufen. Es ist extrem
schwierig, in veränderten Bewusstseinswelten eine feste Intention der Heilung zu
halten. Das ist allerdings notwendig.Wir tun
gut daran, den vermeintlich schwierigeren Weg ohne
bewustseinverändernde Medizinpflanzen zu gehen. Die heilerischen Ergebnisse sind auf Dauer sehr
viel besser und intensiver. Das sei zumindest Europäern ins
Stammbuch geschrieben.
Bewusstseinsverändernde Medizinpflanzen sind an sich weder gut noch böse. Wir geben diesen Kontext vor, wenn wir sie benutzen. Es ist wie bei Alkohol, Salz oder Zucker, der rechte Umgang damit erfordert eine entsprechende Kultur und rigide Regeln in einer erfahrenen Gemeinschaft die Grenzen setzt.
Die meisten Europäer haben hier keine Vorstellungen von einem rituellen, bewussten Umgang damit. Sie sind damit in Gefahr, sich in einem unbekannten Territorium zu verlieren.
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